Josef Becker aka Jupp
Herr Josef Becker, allgemein Jupp gerufen, wurde am 14.05.1929 geboren. Er war gelernter Schumachermeister, hat aber viele Jahre seines Leben im Bergbau (Ruhrgebiet) gearbeitet.
Jupp war einer der Menschen, der im Umfeld meines Vater als Freund bezeichnet werden konnte. Ob nun der Sport oder das Schützenwesen, diese besondere Clique war immer zusammen. Nicht zuletzt, auch wenn Jupp 7 Jahre älter war als mein Vater (Jahrgang 1936), haben wohl auch die schrecklichen Kriegserlebnisse die Jugend von damals vereint.
Interessant, zumindest wenn ich heute darüber nachdenke, ist, dass mich Jupp nie mit meinen diversen Namensmöglichkeiten Hermann oder Hermann Josef oder Josef ansprach, sondern mich immer als einziger im Dorf Hermann Jupp nannte. Schon darum werde ich ihn und sein hinterlassenes Heinmatforschungswerk für unser Dorf und den unteren Niederrhein nie vergessen.
Josef Becker starb am 29.09.2019 im Alter von 90 Jahren. Über seinen Tod wurde sogar in der lokalen Presse berichtet, was davon zeugt, dass er kein Unbekannter war.
Ganz im Gegenteil, er war sogar bekannt und beliebt bei den Menschen. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschehnisse, die er auch selber als Kind/Jugendlicher in der Zeit des Nationalsozialismus und in den Kriegsjahren erleben musste, festzuhalten und zu dokumentieren. Er war ein Heimatforscher. Für unser kleines Dorf Bienen hat er eine großartige Sammlung von Fakten, Geschichten, Bildern und Augenzeugenberichten hinterlassen. Er hatte sogar mehrfach meine Oma interviewt (auch zusammen mit dem Nachbarn Kurt Ricken), weil Oma im 2. Weltkrieg als erwachsene Frau und Mutter von 3 Kindern einen ganz anderen Blickwinkel hatte, als ein Junge im alter von 10 bis 16 Jahren.
Auch bemühte sich Jupp um Aussöhnung zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern, zu denen auch die vielen Zwangsarbeiter gehörten, die rund um Bienen unter widrigsten Umständen im Einsatz sein mussten. Viele von ihnen verloren dabei ihr Leben, auch viele Holländer. Aber nicht alle, wie in diesem kurzen Zeitungsartikel anlässlich seines Todes zu lesen ist:
Josef Becker mit dem ehemaligen Zwangsarbeiter Richard van Nolde
Mir liegen zwei Bücher von Juppvor, die ich hier vorstellen werde. Das erste Buch habe ich im Bürgerhaus Bienen anlässlich einer Lesung zur Buchveröffentlichung gekauft.Das zweite Buch von Josef habe ich mit einer handschriftlichen Widmung von ihm als Geschenk anlässlich meiner Hochzeit bekommen. Darüber habe ich mich damals sehr gefreut.
Er bleibt auch deswegen in meiner Erinnerung - und wegen Hermann Jupp.
Anmerkung: Leider kann ich hier keine Bilder oder ähnliches veröffentlichen, da ich Gefahr laufe, gegen Urheberrechte und Copyright zu verstoßen. Daher wird - was irgendwie geht - verlinkt, damit der geneigte Leser diese Informationen dennoch erreichen kann.