1945 - Die Entscheidungsschlacht am Niederrhein
Das vorliegende Buch (erschienen 1976 im Verlag Buchhandlung Dambeck, Wesel) ist eine überarbeitete Version des Autors Herbert Bernhard (1. Auflage erschienen 1954 im Kühler-Verlag, Wesel), mit dem Titel "… dann brach die Hölle los!"
Eine Kurzbiografie von Herbert Bernhard ist hier nachzulesen:
Herbert Bernhard erläutert nach dem Vorwort die Motivation, eine Neufassung des Buches von 1954 auf den Markt zu bringen. Nachfolgend wird diese Aussage zitiert:
1945 - Die Entscheidungsschlacht am Niederrhein" ist die Neufassung meines Ende 1954 erschienenen Buches "... dann brach die Hölle los!". Das neue Buch erweitert das alte um wesentliche Teile und bringt Fakten, die mir vor 22 Jahren nicht zugänglich waren. Doch zunächst der Beginn der Fassung von 1954:
Zum Erscheinungszeitpunkt der Neufassung des Buches war ich 11,5 Jahre alt. Das Buch war unter uns Jungens in aller Munde, da wir damals auch, sofern wir die Gelegenheit dazu hatten, die Groschenromane in der Reihe Der Landser schier verschlungen hatte.
Vom Krieg hatten wir keine Ahnung, aber irgendwie war es für uns voller Phantasie als es hieß, dass im Bienener Kirchturm ein deutscher Scharfschütze über mehrere Tage den Durchbruch der allierten Truppen über den Altrheinarm ins Stocken gebracht hätte. Eher eine Räuberpistole, aber den Scharfschützen gab es wirklich. Und es gab auch Tote auf Seiten der alliierten Truppen durch ihn. Aber den Angriff konnte er nicht stoppen, denn der Rhein war längst überquert und damt der Weg frei und sprichwörtlich geebnet ins Ruhrgebiet.
An anderer Stelle habe ich bereits davon berichtet, wie unterschiedlich ich das Buch beim Lesen aufgenommen habe. Als ich es das erste Mal als Junge gelesen habe, war ich fasziniert. Denn ich las von einer Welt, die ich nicht kannte, aber von meiner Oma in zahlreichen Geschichten skizziert bekommen hatte. Meine Faszination bezog sich eher darauf, dass unser kleines Dorf doch ein recht zentraler Ort des Rheinübergangs gewesen war. Und so muss es auch ausgesehen haben: zu 98 % zerstört
Im Januar 2026, also 50 Jahre später, habe ich im Zuge meiner wiederentdeckten Intressen an der deutschen Vergangenheit - in Verbindung mit den Geschehnissen in Deutschland ab 2015 - das Buch wieder zur Hand genommen und es in für meine Verhältnisse recht kurzer Zeit gelesen. Leider fällt mir das lange Lesen gesundheitlich bedingt sehr schwer - und das als “alte Leseratte”.
Jetzt, als gestandener Mann von 61 Jahren, liefen mir bei den Beschreibungen der vielen Tage des Bombenterrors Tränen über die Wangen. Denn nun konnte ich wesentlich besser erahnen, was meine beiden Großväter, die keine Soldaten waren, sondern bei den Emmericher Germania-Öl-Werken arbeiteten, erleben und aushalten mussten, wenn sie aufgerufen waren, die Öltanks zu kühlen, da es überall in Emmerich brannte, wenn die Bomber fertig abgeladen hatten.
Auch meine Eltern, zu diesem Zeitpunkt beide 9 Jahre alt, wie auch meine beiden Omas, Tanten und Onkel, mussten sich vor den Bomben, Tieffliegern und Artilleriegranaten immer wieder in Sicherheit bringen bzw. viele Nächte im Keller ausharren. Dazu erzählen ich später mehr, was ich behalten habe und von meiner Oma väterlicherseits erzählt wurde.
Die krassen Erlebnisse der Soldaten, wie z.B. vom Autor selbst erlebt, sind nach meinem heutigen Verständnis die Hölle gewesen. Und darum passte der Originaltitel nur zu gut - “… dann brach die Hölle los!". Es kann keinen besseren dafür geben zu beschreiben, was geschah, auch nicht mit der Neufassung erweitert um mehr Daten.
Es wird sehr gut beschrieben, wie die Städte Emmerich, Wesel, Rees, aber Kleve bis hoch nach Duisburg-Walsum zurecht gebombt wurden, denn Wesel war ein äußerst wichtiger Brückenkopf, das Tor zum Ruhrgebiet, und Hitler höchstpersönlich hatte immer vorgegeben, dass dieser Brückenkopf auf Biegen und Brechen zu halten sei.
Dass es den Niederrhein so krass erwischen musste, wie kaum eine andere Region in Westdeutschland, war dem Umstand zu verdanken, dass der erste Anmarsch in der Region von Arnheim für die allierten Truppen zu einem Desaster wurde und eine Niederlage trotz großer Übermacht war. Arnheim war mehrere Male der Drehort für entsprechende Kinofilme mit Welterfolg.
Die Wut und Enttäuschung über den Rückschlag des Vormarsches mussten dann die Niederrheiner erleben. Wahnsinn!
Wer an derartigen neuzeitlichen Berichten, die durch Teilnehmer und Augenzeugen entstanden sind, interessiert ist, der ist mit diesem Buch, lokal auf den unteren Niederrhein bezogen, hinreichend ausgestattet, um die Greuel eines Krieges zu verstehen.
Nicht zu verstehen ist, dass - und dies werde ich immer wieder in meinen Artikeln zum Ausdruck bringen - heutezutage, 81 Jahre nach Kriegsende, wiederum eine deutsche Regierung von Krieg fabuliert unter dem Deckmäntelchen der Abwehr eines russischen Angriffs, der 2029 zu erwarten ist. Nochmal Wahnsinn! Dies hatten noch nicht mal die furchtbaren Nazis auf dem Tableau. Auch dazu habe ich eine Meinung, die bald in Form eines Artikel erscheinen wird.
Mir bleibt ob der beschriebenen Erlebnisse von Herbert Bernhard als junger Soldat nur auszurufen:
NIE WIEDER KRIEG!
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